RA Freiherr von Gravenreuth vs. RA Thomas Stadler


Podiumsdiskussion der besonderen Art an der Universität Passau

Internetrecht pur – unter dieser Überschrift hat sich der Lehrstuhl Prof. Dr. Dirk Heckmann das gesamte Wintersemester lang in einer Vortragsreihe mit Theorie und Praxis des Onlinerechts beschäftigt. Zum Semesterabschluss wartet ein ganz besonderer Leckerbissen: Der deutschlandweit bekannte und nicht unumstrittene Münchener Rechtsanwalt Günter Freiherr von Gravenreuth trifft auf Rechtsanwalt Thomas Stadler aus Freising, der als erster Anwalt in Sachen Abmahnungen erfolgreich gegen von Gravenreuth prozessierte.

Günter Freiherr von Gravenreuth ist Spezialist für gewerblichen Rechtsschutz, Rechtsanwalt und Diplom-Ingenieur. Seit er 1993 in der Maske einer virtuellen 15-jährigen „Tanja“ serienweise Homecomputer-User in die Raubkopierfalle lockte, hat er in der IT-Branche einen zum Teil zweifelhaften Ruf als „Abmahnungs-Anwalt“. Für großes Aufsehen sorgte ein Prozess vor dem Düsseldorfer Landgericht (IX. 2000).

Der deutsche Internet-Pionier Stefan Münz hatte auf seiner Website einen Link zu einer US-Firma geschaltet, die ftpx-Explorer vertreibt. In diesem Vorgang sah die „Symicron GmbH“, die sich die Bezeichnung „Explorer“ hatte sichern lassen, eine Verletzung ihres Markenrechts. Sie wandte sich an RA Freiherr von Gravenreuth, der daraufhin Münz abmahnte. Diese Abmahnung löste bei vielen Internetusern einen Sturm der Entrüstung aus. So startete die Bürgerinitiative „freedom-for-links“ einen Spendenaufruf, um Münz ein gerichtliches Vorgehen - notfalls bis zum BGH - zu ermöglichen.

Münz ließ sich in diesem Prozess von RA Thomas Stadler vertreten. Überraschend erkannte das Landgericht Düsseldorf - im Gegensatz zur früheren Rechtssprechung - dass zwischen dem von Münz gesetzten Link und dem von der Firma eingetragenen Markennamen „Explorer“ keine Verwechslungsgefahr besteht. Das OLG Düsseldorf bestätigte das Urteil, woraufhin von Gravenreuth auf die Einlegung weiterer Rechtsmittel verzichtete. Stadler hatte damit erstmals einen Prozess gegen von Gravenreuth gewonnen.

Dieser Prozess verdeutlicht die Rivalität zwischen den beiden Anwälten, die zu einer höchst interessanten und seltenen Diskussion führen wird. Als Moderator der öffentlichen Podiumsdiskussion fungiert Prof. Dr. Heckmann.

Informationen zu den Referenten:

Günter Freiherr von Gravenreuth (Foto), geboren 1948, studierte Maschinenbau an der Fachhochschule München und Rechtswissenschaften an der Ludwigs-Maximilians-Universität München. Nebenbei absolvierte er die damals erste EDV-Ausbildung. Seine Anwaltszulassung erhielt er 1981, selbständiger Rechtsanwalt ist er seit 1985. Seine Tätigkeitsschwerpunkte umfassen EDV- und Online-Recht, Urheberrecht sowie Gewerblicher Rechtsschutz (inklusive Patent- und Markenrecht).

Thomas Stadler studierte Rechtswissenschaften an der Universität Passau, wo er 1994 sein Erstes Juristisches Staatsexamen ablegte. Es folgten der Referendardienst und das Zweite Juristische Staatsexamen 1996 in Regensburg. Seit 1997 ist er zur Anwaltschaft zugelassen, im Juli 1997 gründete er die Anwaltskanzlei Alavi Froesner Stadler. Seine Tätigkeitsschwerpunkte sind EDV- und Onlinerecht, Vertragsgestaltung und Kaufrecht. Die Interessenschwerpunkte liegen im Markenrecht und im Öffentlichen Baurecht.