Die Darstellungen im Netz werden immer drastischer


Die Darstellungen im Netz werden immer drastischer

Die Vorsitzende der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, Elke Monssen-Engberding, hat an der Passauer Universität einen Vortrag über Strategien eines modernen Jugendschutzes im Internet gehalten. Am Rande dieser Veranstaltung, die im Rahmen der Vortragsreihe "Internetrecht pur" stattfand, hatten wir die Gelegenheit für ein Interview

Redaktion: Man hört und liest viel über Gewalt, Sex, Extremismus usw. im Internet. Wird das World Wide Web zum Spielplatz für Kriminelle?

Monssen-Engberding: Nein. Der Anteil jugendgefährdender Inhalte im Internet ist immer noch verschwindend gering. Nur schätzungsweise fünf Prozent der Webseiten fallen diesbezüglich auf. Bei pornographischen Seiten ist erkennbar, dass die Werbung im Netz massiver wird.

R: In welchem Umfang muss sich die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften mit Internetseiten auseinandersetzen?

M-E: Von jährlich rund 500 Prüfungsanträgen haben etwa die Hälfte mit dem Internet zu tun. Früher war das anders. Da ging es meistens um Bücher, also um „Schriften“ im engeren Sinne. Zur Zeit stehen auf dem Index etwa 500 Webseiten.

R: Was sind die häufigsten Inhalte jugendgefährdender Webseiten?

M-E: Die Mehrheit dieser Seiten ist pornographisch, wobei verstärkt auch Kombinationen aus Sex und Gewalt auftauchen. Ein großer Teil hat gewaltverherrlichende Inhalte. Ich denke da zum Beispiel an sogenannte „Leichengallerien“. Oft trifft man auch auf Nazi-Seiten, die meist aus den USA oder Kanada stammen. Insgesamt fällt auf, dass die Darstellungen immer drastischer werden. Es gibt scheinbar keine Grenzen mehr.

R: Konnten Sie eine Zunahme von extremistischen Seiten im Zusammenhang mit Bin Ladens El-Kaida-Netzwerk feststellen?

E-M: Bisher hat uns dazu noch kein einziger Prüfungsantrag erreicht. Lediglich am Tag vor den Anschlägen des 11. September wurde uns eine Taliban-Homepage anonym per E-Mail zugeschickt. Die Ermittlungen der Polizei sind aber ergebnislos geblieben.

R: Laut dem Gesetz über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften dürfen indizierte Medien gegenüber Kindern und Jugendlichen nicht mehr angeboten, überlassen oder zugänglich gemacht werden. Kann dies im Internet überhaupt wirksam umgesetzt werden?

M-E: Eine Möglichkeit ist das Einbinden von Kontrollprogrammen wie „Adult Check“. Die Zuverlässigkeit dieser Programme hat sich in letzter Zeit deutlich verbessert. Noch ist aber von der Rechtsprechung nicht abschließend geklärt worden, wann eine technische Vorrichtung im Sinne des Gesetzes ausreicht. Schwieriger ist es, ausländische Anbieter von Jugendschutzmaßnahmen zu überzeugen. Dies gelingt dann, wenn sich der Anbieter auch auf dem deutschen Markt etablieren möchte und nach Verbraucherakzeptanz sucht.

R: Bisher dürfen nur die obersten Jugendbehörden der Länder, die Landesjugendämter, die Jugendämter und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Prüfungsanträge bei Ihnen stellen. Wäre es nicht sinnvoll, das Antragsrecht weiter auszudehnen?

M-E: Es ist geplant, künftig auch Verbände oder Schulen mit einem Antragsrecht auszustatten. Ein allgemeines Recht geht aber zu weit. Wir könnten uns dann vor Prüfungsanträgen nicht mehr retten, was unsere Arbeit nur behindern würde.